MUSKELN & PSYCHE

Ob wir nun gehen oder kriechen, ob wir schreiben oder umherschauen, ob wir sprechen oder essen, einen Wutanfall bekommen oder ihn zurückhalten, jemanden streicheln oder schlagen, ob wir nießen oder husten, was auch immer wir tun, wir tun es mit unseren Muskeln. Die wichtigste, weil lebensnotwendige Bewegung ist die Atmung. Beim Aussetzen dieser Bewegung sind wir innerhalb von wenigen Minuten tot, denn von ihr hängen alle übrigen Funktionen unseres Organismus ab. Sie wird nicht etwa von innen, von der Lunge, sondern von außen, von der Skelettmuskulatur ausgeführt. Es gibt offensichtlich sehr verschiedene Auslöser, die den Spannungszustand der Muskulatur positiv oder negativ beeinflussen. Kälte, Unbeweglichkeit in der Nacht, atmosphärische Störungen, plötzliche Bewegung gegen verspannte Muskulatur – auf all das reagiert der Organismus offensichtlich mit stärkerer Anspannung, während bei zärtlichem Körperkontakt und spielerischer Bewegung ohne Leistungsdruck die Spannung eher nachlässt.

| Ob wir nun gehen oder kriechen, ob wir schreiben oder umherschauen, ob wir sprechen oder essen, einen Wutanfall bekommen oder ihn zurückhalten, jemanden streicheln oder schlagen, ob wir nießen oder husten, was auch immer wir tun, wir tun es mit unseren Muskeln. Die wichtigste, weil lebensnotwendige Bewegung ist die Atmung. Beim Aussetzen dieser Bewegung sind wir innerhalb von wenigen Minuten tot, denn von ihr hängen alle übrigen Funktionen unseres Organismus ab. Sie wird nicht etwa von innen, von der Lunge, sondern von außen, von der Skelettmuskulatur ausgeführt. Es gibt offensichtlich sehr verschiedene Auslöser, die den Spannungszustand der Muskulatur positiv oder negativ beeinflussen. Kälte, Unbeweglichkeit in der Nacht, atmosphärische Störungen, plötzliche Bewegung gegen verspannte Muskulatur – auf all das reagiert der Organismus offensichtlich mit stärkerer Anspannung, während bei zärtlichem Körperkontakt und spielerischer Bewegung ohne Leistungsdruck die Spannung eher nachlässt.

Dass wir überhaupt etwas als positiv oder negativ empfinden, liegt am empfundenen Spannungszustand der Muskulatur. Die Beschwerden der Patienten werden genau unter den Umständen besser bzw. schlechter, unter denen wir bei uns allen stärkere Entspannung bzw. Anspannung der Muskulatur beobachten können. Man wird starr vor Schreck oder Angst, man bebt vor Wut, man steht sich unter Leistungsdruck, in dem man die Muskeln stärker anzieht, als es zur Ausführung einer Aufgabe nötig wäre.

Umgekehrt lockert sich die Muskulatur bei Freude, Glaube, Liebe, Hoffnung, Vertrauen bzw. wenn wir mit mehr Glücksmomenten unser Wohlbefinden fördern. Daher kommt es, das wir auf rosa Wölkchen zu schweben scheinen, wenn wir verliebt sind. Umgekehrt lässt sich mit angespannter Lippen-, Kiefer- und Stimm-Muskulatur keine glaubhafte Liebeserklärung abgeben.

Alle positiven Sinneseindrücke wie Wärme, Licht, melodiöse Laute, Duft, gutes Essen, sanfte Berührung, harmonische Bewegung sind mit Entspannung und Wohlgefühl verbunden – dies gilt auch für die Erwartung positiver Erlebnisse. Umgekehrt wappnen wir unsere Muskulatur gegen alles Unangenehme, das wir erleben: Verletzung, starker Druck oder Zug, Schmerz, Lärm, Kälte, starke Hitze, grelles Licht, ein abscheulicher Anblick, ekelhafte Gerüche und Geschmacksempfindungen und eben auch schon bei der Vorstellung solcher Sinnesempfindungen.

Negative Emotionen führen zu Muskelverspannungen und Fehlhaltungen. Fehlhaltungen führen zu muskulären Ungleichgewichten, welche den Energiefluss stören, negative Emotionen und Lebenseinstellungen verstärken können.

Zu den häufigsten „Nebenwirkungen“ von Angstgefühlen gehört eine Erhöhung des Muskeltonus – entweder aufgrund der generellen Anspannung der Muskulatur während einer momentanen „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion oder aufgrund lokaler Verspannungen, ausgelöst durch die Pressvorgänge oder Haltungsmerkmale chronischer Befürchtungen und Erwartungen. Die muskuläre Spannung steigt und damit auch der lokale Stoffwechsel zum Ausgleich für die höhere Tonuswerte; der Druck, den die verspannten Muskeln auf die lokalen Kapillaren ausüben, verringert jedoch die lokale Durchblutung. Wenn eine Muskelzelle mehr ATP verlangt, als Sauerstoff zur Synthese verfügbar ist, setzt der anaerobe Prozess ein und produziert Milchsäure als Abfallstoff – Angst hat über die Mechanismen erhöhter Muskelspannung Milchsäure erzeugt.

Wenn allerdings Milchsäure ins Blut eines ruhigen, gelassenen, Menschen injiziert, passiert etwas merkwürdiges: Das Lactat löst bei einem gesunden Menschen alle Symptome von Angst aus! Hier sehen wir, wie sich ein mentaler Zustand und eine chemische Reaktion so lange gegenseitig verstärken, bis es zu ernsthaften lokalen oder generellen Ungleichgewichten – oder gar Schäden – kommt. Von allergrößter Bedeutung ist hier die Einsicht, dass jeder dieser Teufelskreise zu seiner Verankerung eines Gefühls oder einer geistigen Einstellung ebenso sehr bedarf wie einer chemischen Veränderung.